Wilmer Kopernikus

Wilmer Kopernikus – Biografie

Wilmer Kopernikus ist das Pseudonym des Künstlers Wilmer Aderbert Florez Lopez. Er wurde 1987 in Bogotá, Kolumbien, geboren und wuchs in einer Familie auf, in der die Kunst zum Alltag gehörte. Seine Mutter, seine Tante und sein Onkel malten, während sein ältester Onkel Architektur studierte. Schon früh entwickelte er eine Leidenschaft für die bildende Kunst. Während seiner Schulzeit verkaufte er Zeichnungen an Mitschüler. Für seine künstlerischen Leistungen erhielt er während seiner Schulzeit eine besondere Auszeichnung.

Nach einem Semester an der Academia Superior de Arte Distrital (ASAB) in Bogotá begann er sein Kunststudium an der Academia de Arte der Universidad Nacional de Colombia. Dort studierte er unter anderem bei den Künstlern Mauricio Bejarano und Dióscorides Pérez und beschäftigte sich intensiv mit Kunstgeschichte und Kunsttheorie, insbesondere im Austausch mit William López Rosas und José Hernán Aguilar. Bereits während seines Studiums kam er durch das Fach Programmierung für Künstler mit den Möglichkeiten digitaler Technologien in der künstlerischen Praxis in Berührung.

Nach seinem Studienabschluss engagierte er sich in der kolumbianischen Szene der erotischen Kunst. Durch das Künstlerkollektiv Sociedad Explícita und im Rahmen des Festival BDSM Fetisch Colombia organisierte und kuratierte er Ausstellungen, Filmgespräche, Lesungen und interdisziplinäre Kunstveranstaltungen. Seine Projekte beschäftigten sich mit der Geschichte der erotischen Kunst, den Schriften des Marquis de Sade und den Beziehungen zwischen Sexualität, Ästhetik und gesellschaftlichen Normen. Dabei spielte die Performancekunst eine zentrale Rolle. Die Veranstaltungen brachten Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Disziplinen zusammen und verbanden Malerei, Film, Literatur, Performance und experimentelle künstlerische Ausdrucksformen.

2017 reiste er nach Berlin, wo er begann, Deutsch zu lernen. 2019 zog er nach Qingdao in China, eine Stadt, deren Geschichte eng mit der deutschen Kolonialzeit verbunden ist. Seine Deutsch- und Englischkenntnisse ermöglichten ihm den Austausch mit internationalen Gemeinschaften. Neben seiner Teilnahme an Kunstausstellungen widmete er sich dort insbesondere der Kunstvermittlung und entwickelte ein akademisches Vorbereitungsprogramm für angehende Kunststudierende mit den Schwerpunkten Zeichnung, Komposition und künstlerische Portfolioentwicklung.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland lebte und arbeitete er im Raum Stuttgart. Dort leitete er Cyanotypie-Workshops und beschäftigte sich im Rahmen der Triennale Kleinplastik mit der Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Von besonderem Interesse war für ihn die Arbeit der kolumbianisch-litauischen Künstlerin Nijolė Šivickas, die lange in Deutschland lebte und deren Sohn, der Philosoph und ehemalige Bürgermeister von Bogotá Antanas Mockus, durch den Einsatz künstlerischer und performativer Strategien in der kolumbianischen Politik bekannt wurde. Diese Verbindung zwischen Kunst, politischer Geschichte und gesellschaftlicher Transformation knüpfte unmittelbar an Florez' eigene Interessen an.

Später zog er nach Guangzhou, China, wo er sich intensiv mit Softwareentwicklung und den Grundlagen der Softwaretechnik auseinandersetzte. Diese Zeit war von einem besonderen Spannungsverhältnis geprägt: Während er internationale Programmiersprachen, Technologien und Methoden der Softwareentwicklung erlernte, erlebte er gleichzeitig den chinesischen digitalen Alltag mit seinem weitgehend eigenständigen Internetökosystem und der umfassenden Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche. Die Metropolregion um Guangzhou, Shenzhen und Hongkong, mit ihren zahlreichen internationalen Handelsmessen und ihrer dynamischen Wirtschaftslandschaft, eröffnete ihm zudem neue Perspektiven auf das Verhältnis zwischen Technologie, Handel und globaler Kommunikation. In diesem Umfeld begann er, Websites und digitale Lösungen für international tätige Unternehmen zu entwickeln. Parallel zum Aufstieg der künstlichen Intelligenz vertiefte er seine Kenntnisse in der Programmierung und erweiterte seine künstlerische Praxis um Webentwicklung, interaktive Medien und Creative Coding.

Heute lebt Wilmer Florez in Bonn und studiert Kunstgeschichte im Masterstudiengang an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seine Interessen verbinden die Geschichte der erotischen Kunst, Performance, politische und gesellschaftliche Konflikte, kuratorische Praxis und die Auswirkungen digitaler Technologien auf die zeitgenössische Kunst. Seine internationale Erfahrung zwischen Kolumbien, Deutschland und China prägt dabei sowohl seine künstlerische Arbeit als auch seine kunsthistorische Forschung.